Simulation 5-Kanal-Installation
Thingstätte Herchen
Thingstätte Brückenkopf Jülich

Thingstätten

2019

Mehr-Kanal-Videoinstallation
Simulation für 5 unterschiedlich große Projektionen oder Monitore
Länge ca. 2 Min.
Drohnenkamera: Felix Gemein
Gefördert von
Stiftung Künstlerdorf Schöppingen,
Kultursekretariat NRW Gütersloh, Projekt Stadtbesetzung/Erkundungen,
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Geplant sind ca. 55 Filme von 55 Thingplätzen in Deutschland.

In ganz Deutschland wurden in den 30er Jahren Thingstätten errichtet, theaterähnliche Versammlungsorte, die vom Naziregime zur Verbreitung seiner Ideologie gebaut wurden. Unter geschichtsverfälschendem Rückgriff auf altgermanische Traditionen sollten auf ihnen Theateraufführungen stattfinden, sogenannte Thingspiele. Diese sollten ein emotionales Aufgehen des Einzelnen in Heimat und Volksgemeinschaft erleben lassen. Deswegen wurden als Thingstätten vor allem landschaftlich beeindruckende Plätze gewählt: stimmungsvolle Orte umgeben von Wäldern, an Gewässern, in Hügeln oder natürliche Felsen eingebettet, an Ruinen oder anderen Spuren der örtlichen Geschichte.

In germanischer Zeit war ein Thing bzw. Ding die Volks- und Gerichts-Versammlung. Sie behandelte die Rechtsangelegenheiten und fand immer unter freiem Himmel statt. Die Nazis missbrauchten die Idee der Thing-Versammlungsplätze für Inszenierungen des Führerkults.

Von 1933 bis zum Ausbruch des Krieges 1939 waren bis zu 400 Thingplätze in Planung oder begonnen. Fertiggestellt wurden ca. 60 Freilichtbühnen. Von der Mehrzahl weiß man heute den Ort, viele werden noch genutzt für Konzerte und Theateraufführungen.

Dieses Projekt soll alle ehemaligen Thingstätten in Deutschland dokumentieren. Hier zu sehen sind Thingstätten in NRW in Herchen, Jülich, Mülheim an der Ruhr, Porta Westfalica und Wattenscheid.

Die filmische Annäherung an diese Orte geschieht aus der Luft. Mit einer Kameradrohne wird eine Fahrt senkrecht über dem Thingplatz gestartet, man sieht die ganze Umgebung, die Kamera nähert sich langsam, sie dreht sich um die eigene Achse, bis der Platz das Bild ausfüllt. Das sich wie eine Spirale drehende Bild lässt einen Sog entstehen. Er ist bildlicher Ausdruck für die Verführung und Agitation der Bevölkerung durch den Nationalsozialismus.