Die Regenmacher_Ausstellung White & Case
2026
Work in progress seit 2016
Mehrkanal-Videoinstallation, Installationsmaße variabel
Kamera: Maria Vedder
Schnitt: Till Beckmann, Manja Ebert, Maria Vedder
Animation: Till Beckmann, Marina Schnider
Ton: Maria Vedder
Color Grading: Till Beckmann
Dokumentation der Ausstellung in der Anwaltskanzlei White & Case Berlin
im Rahmen der Videokunstreihe AUF ZEIT
2026
Fehlte der Regen, kamen einst Schamanen, später Wissenschaftler auf verrückte Ideen, um ihn von oben herunterzulocken. Heute kommt das Wasser auch von tief unten, es wird nicht mehr nur vom Himmel herbeigezaubert – was von oben, bei einem Blick auf die Erdoberfläche, wie göttlich geformt oder nach außerirdischen Botschaften aussieht. Die Rede ist von den kreisrunden, grünen Feldern sogenannter Center-Pivot-Anlagen als Teil automatisierter Bewässerungssysteme, die häufig in Trocken- und Wüstenregionen zu finden sind. Das hierbei geförderte Wasser entstammt nicht selten eiszeitlichen Grundwasserreservoiren, gespeist aus längst versiegten Flüssen. Aus den Tiefen heraufgepumpt, ist diese fossile Ressource, einmal aufgebraucht, für immer erloschen, geschuldet jenem Konzept ewigen ökonomischen Wachstums, das auch Wüsten zum Blühen bringen soll, die Natur jedoch gleichzeitig ausbeutet, Lebensgrundlagen an diesen Orten nachhaltig zerstört.
Derlei Felder sah Maria Vedder auf einem Flug über den dürren Mittleren Westen der USA. Fasziniert von deren paradoxer Schönheit, der exakten Geometrie der Agrar-Parzellen, die in der Natur dergestalt nicht zu finden sind, entstand ihre Videoarbeit „Die Regenmacher“. Auf den Luftbildern beginnen die grünen Kreise wie Zahnräder zu rotieren. Digital animiert, drehen sie sich um ihre eigene Achse, geometrisch abstrakt, unnatürlich kreisrund. Diese künstliche Bewegung verdeutlicht die widersprüchliche Künstlichkeit derartiger landwirtschaftlicher Kultivierung. „Die Regenmacher“ zeigt keinen natürlichen Kreislauf, sondern versinnbildlicht eine sich im Kreis drehende dystopische Zukunft – eine Zukunft, die sich nicht anders entwickeln kann, weil wir Gegenwartsmenschen für unsere Nahrung „uns selbst das Wasser abgraben“.
Ohne die von Vedder hinzugefügten Regengeräusche könnten die zu sehenden Agrarflächen auch Bakterienkulturen oder Ufos sein. Andererseits weckt ihre Form auch Assoziationen zu Münzen, weiß man, dass der Begriff des „Rainmakers“ doch auch eine andere Bedeutung hat – als Metapher steht er für Anwälte und Geschäftsleute, die Wachstum und Gewinn generieren sowie maßgeblich neue Aufträge und Mandanten oder Kapital hereinholen. Statt Wasser lassen diese Regenmacher Geld regnen. Der Titel von Vedders Arbeit ist hier also auch ein ironischer Verweis auf den Ausstellungsort – eine Wirtschaftskanzlei.
Text: Stephanie Kloss