Das erweiterte Atemzentrum

1992

Mehr-Kanal-Installation mit Video und Licht
21 Monitore, 7 Videoplayer, 21 pendelnde Glühbirnen mit Bewegungsmotoren
Kamera: Dietlinde Stroh
Musik: Uwe Wiesemann

Die Dinge, in der Informationsverarbeitung zu Undingen kodiert, fließen auf den elektromagnetischen Strahlen wie auf einem fliegenden Teppich in Lichtgeschwindigkeit durch den unbegrenzten Raum.
Der Flug der virtuellen Dinge, sichtbar dekodiert in der Arbeit „Das erweiterte Atemzentrum“, erinnert an die Formen der direkten Kommunikation zwischen den Menschen, als Informationen wie auch Güter auf materiellen Wegen von hier nach dort gebracht wurden. Der Stuhl, auf dem ich mich setze, um zuzuhören; die Tasse Kaffee, die Konzentration verspricht; der Schirm, der beschützt; das Bambusstöckchen des Zen-Meisters für die Körpersprache mit seinem Schüler; der Pflasterstein wie ein Argument; die Fahne des Flaggenalphabets der Matrosen.
Die durch den Raum fliegenden Informationen, sie kommen und gehen, erkannt und unerkannt, wie ein unaufhörliches Atmen.

„Die Dinge so anzusehen, als sähe man sie zum ersten Mal, ist eine Methode, um an ihnen bisher unbeachtete Aspekte zu entdecken. Es ist eine gewaltige und fruchtbare Methode, aber sie erfordert strenge Disziplin und kann darum leicht misslingen. Die Disziplin besteht im Grunde in einem Vergessen, einem Ausklammern der Gewöhnung an das gesehene Ding, also aller Erfahrung und Kenntnis von dem Ding. Dies ist schwierig, weil es bekanntlich leichter ist zu lernen als zu vergessen. Aber selbst wenn diese Methode des absichtlichen Vergessens nicht gelingen sollte, so bringt ihre Anwendung doch Überraschendes zutage, und zwar tut sie das eben dank unserer Unfähigkeit, sie diszipliniert anzuwenden.“
Vilém Flusser