Shut Up

1989

Mehrkanal-Installation (Videowand mit 16 Monitoren und Monitorsäule mit 6 vertikalen Monitoren) und Film
4:50 Min.
Produktionsformat: 1 Zoll
Musik: Uwe Wiesemann
Regieassistenz: Ulrike Hamacher
Darsteller: Anke Bergstein, Heike Resler, Jörg von Stein, Flicki
Kamera: Keith Surridge, Rolf Schmidt
Montage: Klaus Dumuscheit
Videoeffekte: Helmut Reinhold
Paintbox: Jana Jouzek
Computer Animation: Til Hacker
Kostüm: Claudia Bußmann
Maske: Evelyn Faust
Maske Special Effects: Detlev Fischer
Produktion: ECG TV-Studio Frankfurt a.M
Dank an: Rolf Engel, Nadim Karkutli, Michaela Krützen, William Wegman, Gerhard Zilligen, Hut Lange

Ein Projekt über die Verweigerung von Kommunikation.
Hermes, der Götterbote, ist nicht länger daran interessiert, Informationen von hier nach dort zu bringen. Kommunikationsfetzen schwirren orientierungslos im Raum.

„In SHUT UP wird die Verbindung mythisch-märchenhafter Themen mit den Aporien der High-Tech-Welt zu einem vielschichtigen Geflecht. Vedder greift dazu zunächst auf ein historisches Zitat zurück: die Verdoppelung, die William Wegman Anfang der 70er mit zwei Hunden erreichte, die geradezu lächerlich synchron einem unsichtbaren Wurststück außerhalb des Bildes folgen (ihm wird im Nachspann dafür von Maria Vedder gedankt), wird nun durch eine elektronische Bildschirmteilung erzielt. Links und rechts bewegen sich also nicht mehr zwei Hunde synchron, sondern ein und derselbe. Der ursprüngliche Witz der synchronen Bewegung von normalerweise unkoordinierten Tieren ist somit ins genaue Gegenteil verkehrt.
Die Frage nach dem Standpunkt und der Möglichkeit von Kommunikation fällt damit in einer Tautologie zusammen: kann ich mich mit mir selbst unterhalten?
Bei der Verdoppelung einer elektronischen Botschaft läßt sich mit Hilfe der Digital-Technik eine völlige Identität von Original und Kopie erreichen. Was laut der Monadenlehre von Leibnitz in der Natur nicht vorkommen darf, da zwei völlig identische Dinge in eines zusammenfallen würden, scheint im Bereich der Informationsspeicherung möglich zu sein. Sollte dies nicht schließlich auf die Natur zurückschlagen und damit auch auf den Menschen? Wird der Märchenprinz noch zwischen der Schönen und ihrer geklonten Doppelgängerin unterscheiden können?
Vor dem Medium, das uns als magisches Auge so anblickt, wie wir es ansehen, stehen wir letztlich immer uns selbst gegenüber. Die Selbstgenügsamkeit dieser monadenhaften Sicht, der die ganze Welt nur zur Spiegelung ihrer selbst wird, die sich also letztlich immer mit sich selbst unterhält, läßt jede Kommunikation als bloße Fiktion erscheinen: der Mund, als überflüssiges Organ der Veräußerung, fällt deshalb der Kosmetik zum Opfer – endgültiger Shut Up.“
Dieter Daniels 1989